Als überzeugte Dressurreiterin – bin ich nun „umgestiegen“ auf das Westernreiten und frage mich die ganze Zeit:
WARUM NICHT SCHON FRÜHER????

Nachdem wir ein Pferd durch eine Herpes Infektion verloren hatten, wollte ich keine Turniere mehr reiten. Auch auf das Trainieren in einer Reithalle wollte ich wegen der möglichen Ansteckungsgefahr lieber verzichten. So ritt ich nur noch ins Gelände und auf meinem Reitplatz.

Bei einem Ausritt trat mein Wallach Paulchen nicht richtig ans Gebiss sondern rollte den Hals ein. Dabei bemerkte ich zum ersten Mal, wie genervt ich davon war, mit dieser ständigen Anlehnung zu reiten. Dressurreiten hieß bis dato für mich Anlehnung. Hatte vermehrt das Gefühl, dass auch Paulchen keine Lust hatte, immer an den Zügel heran zu treten.

Dann hatte meine Freundin eine Sattelhändlerin zu Besuch. Ich merkte schnell, dass die Dame gar nicht gut auf die Dressurreiter zu sprechen war. Margit liebt Zügel unabhängiges Reiten, anfangs in Dehnungshaltung, später mit natürlicher Aufrichtung und Versammlung („Geht alles von selbst! Warum erkämpfen wollen, was man geschenkt kriegen kann?“).

Und dann ging alles ganz schnell. Zum Pferd gefahren, auf einen Westernsattel gesetzt. Nicht ganz überzeugt, weil die Sitzfläche hart war. Ich kam mir vor, als säße ich das erste Mal auf einem Pferd! Habe aber trotz alledem einen Sattel für mein Pferd bestellt. Bis der Sattel kam, hatte ich nun ganz viel Zeit, das Dressurreiten mit dem Westernreiten zu vergleichen. Kaufte Bücher und sah mir viele Videos an. Bemerkte, dass ich die Zeit kaum abwarten konnte bis endlich der Sattel kam. Denn alles was ich gelesen und gesehen hatte, überzeugte mich, nun endgültig Western zu reiten. Dann kam der Sattel. Bis jetzt, ca. 4 Wochen später, gehe ich jeden Tag ins Gelände. Paulchen und ich waren noch nie so lange unterwegs. Habe zu meinem Pferd ein völlig neues Vertrauensverhältnis aufbauen können. Er läuft unter dem Sattel, wie auf der Weide. Völlig losgelöst. Dadurch, dass ich mittlerweile auch mit langem Zügel reite, läuft er völlig entspannt. Wenn wir vom Ausritt zurückkommen, schachtet er sofort sein Schlauch aus – ein Zeichen, dass er sich wohl fühlt.

Und heute ist er von seinem Heu weg zu mir und dem Sattel gekommen! Er wollte also freiwillig losgehen. Das hatte es bisher noch nicht gegeben! Ich selbst fühle mich sehr wohl in dem Sattel. Obwohl es schon eine Umstellung ist. Der Sattel ist sehr weich und bequem. Also auch für den Reiter :O)) Beim Galoppieren ist es nicht so einfach, denn das Aussitzen mit den Beinen nach vorne will gelernt sein.

Kann jedem Reiter nur ans Herz legen, in sich zu gehen, einmal zu vergleichen, was es bedeutet, einen Sattel mit größerer Auflagefläche und einem dicken Pad zu reiten. Wie viele Pferde sind rückenkrank?! Osteopathen und Tierärzte werden konsultiert. Jeder wuselt in seinem Bereich herum, anstatt sich damit auseinanderzusetzen, ob es vielleicht an Sattel und Reitweise liegen könnte. Wir, Paulchen und ich, sind jedenfalls super glücklich und dankbar für den Wandel. Hätte ich in jungen Jahren schon diese Erkenntnis gehabt, wäre ich garantiert nicht so viele Jahre bei Dressurprüfungen gestartet. Meine Pferde und ich haben so viele wundervolle Ausritte verpasst, soviel Genuss, soviel Harmonie.

Bine, Jahrgang 62, gestartet bis Klasse M