Eine Homage an den geliebten Vierbeiner

An Dich, die Du mich so viel gelehrt hast! Was hast Du nicht alles auf Deinem Rücken ertragen und getragen weil alle “Experten” es besser wussten. Du warst mein Herz und Du wirst es auch immer bleiben.

Wie bei vielen Reitern begann meine Reitkarriere als 11 jähriger Stöpsel in einem englischen Reitstall. Es war ein lang ersehnter und hart erkämpfter Traum der damit für mich in Erfüllung ging. Ich erinnere mich noch gut daran, meiner Reitlehrerin stets gebannt zugehört zu haben. Alles habe ich versucht, um ihre Anweisungen zu befolgen. Sie war schließlich Reitlehrerin und wusste alles über Pferde. Da war ich mir ganz sicher.

In diesem Stall gab es eine Stute die innerhalb von Sekunden mein Herz eroberte. Dieses Pferd wollte ich unbedingt reiten dürfen und gab mir daher noch mehr Mühe. Tatsächlich wurde sie mir zwei harte Jahre später als Reitbeteiligung angeboten. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Alles wollte ich versuchen, um mit diesem wundervollen Wesen ein unschlagbares Team zu werden.

Lange Zeit lief alles gut. Doch eines Tages bemerkte ich, dass Mira Schmerzen im Rücken hatte. Leider interessierte das bis auf mich niemanden. Meine Reitlehrerin, die auch die Besitzerin des Pferdes war, meinte, das wäre nicht so schlimm. Meine Frage warum die Stute denn Schmerzen haben könnte wurde völlig abgetan. Was könne das schon sein sagte sie, ich solle die Stute einfach nur ordentlich durchreiten. Natürlich glaubte ich ihr. Doch schnell stellte sich heraus, dass sich die Schmerzen nicht verbesserten. Leider war mir die Osteopathie damals noch völlig unbekannt. Zum einen war sie bei weitem noch nicht so verbreitet wie heute, zum anderen war ich einfach viel zu jung, um mich damit auseinanderzusetzen.

Doch wenn so junge Mädchen ihr Herz an jemanden verschenkt haben, machen sie sich viele Gedanken. So entstand meine Theorie mit der Wärme. Wenn ich Schmerzen im Rücken hatte, nahm ich mir eine Wärmflasche mit ins Bett und am nächsten Tag wachte ich wie neu geboren wieder auf. Vielleicht würde das Mira ja auch helfen? Getreu dem Motto probieren geht über studieren, besorgte ich mir einen Wasserkocher und mehrere Wärmflaschen. Diese platzierte ich beim Putzen auf die schmerzenden Stellen. Der Erfolg war verblüffend aber leider nur von kurzer Dauer. Obwohl mein Stütchen so wunderbar leicht und locker lief, dass ich fast im Kreis grinste, bekam ich kurze Zeit später ordentlich Schellte von mehreren Reitlehrern. So einen Quatsch solle ich doch bitte sein lassen. Sie hätten mir ja schon gesagt das Pferd müsse nur ordentlich durchgeritten werden und damit basta. Das war eine herbe Enttäuschung und ich bekam das erste Mal Zweifel ob das, was ich hier tat, auch alles richtig sein konnte. Denn dieses ordentlich durchreiten bedeutete nichts anderes als ständig gegenzuhalten – und zwar so, dass mir als 14 Jähriger gehörig die Arme schmerzten. Natürlich sollte ich Mira auch noch mit Gerte und Sporen antreiben. Nur das war einfach nicht das, was ich mir unter dem Reiten vorgestellt hatte. Wo waren das Vertrauen, die Harmonie, die Leichtigkeit?

Wie es manchmal so ist im Leben, eine Tür schließt sich und damit öffnen sich viele Neue: Mein Traumpferd wurde verkauft. Urplötzlich. Diese Tür hatte sich so schnell geschlossen, dass ich gar nicht reagieren konnte und erst einmal brach für mich eine Welt zusammen. Allerdings war es auch das Beste was mir passieren konnte – nur das wusste ich ja zu dem Zeitpunkt noch nicht. Als erstes verließ ich mit dem Verkauf von Mira den Reitstall. Es gab für mich einfach keinen Grund mehr dort zu bleiben. Auf Grund der  leidvollen Erfahrungen war ich mir mehrere Monate lang noch nicht einmal sicher ob ich überhaupt weiter reiten wollte. Als mir jedoch einige junge Pferde zum Einreiten angeboten wurden waren alle Zweifel wie weggeblasen. Eines dieser Pferde, natürlich diejenige die mir zu Beginn am wenigsten gefiel, eroberte nach kurzer Zeit mein Herz im Sturm. Sie verstand mich meistens auf Anhieb und versuchte es immer mir recht zu machen. Wir hatten immer Spaß, etwas was ich bis dahin gar nicht kannte. Auch meine Eltern waren beeindruckt. So kam es das ich zu meinem 16. Geburtstag ein Pferd bekam obwohl ich nie eins bekommen sollte: Meine Fudsch.

Mit ihr wollte ich völlig neu anfangen. Sie sollte ein glückliches Leben führen. Daher zog sie erst einmal in einen Offenstall. Die 24 Stunden Knasthaltung wie ich es im Reitstall kennengelernt hatte, löste einfach nur noch Wut in mir aus. Warum sollten die Pferde nach einer Stunde getaner Arbeit wieder ins Bett – damit war die Box gemeint ? Wir schlafen doch auch nicht 23 Stunden am Tag. Außerdem hatte ich da schon begriffen dass Pferde Herdentiere sind und den Kontakt miteinander brauchen. Abgesehen davon war mir dieses im Maul Rumgezerre so zuwider, dass ich auch das nicht mehr wollte. So ritt ich zwar englisch, aber mit sehr leichter Hand. Das bedeutete auch, dass ich grundsätzlich ohne Zügel warm ritt, zweitweise baute ich die Dinger sogar ab. Erst nach der Lösungsphase benutzte ich sie, aber wirklich nur minimal. Meine Maus war so fein zu reiten, dass es auffiel. Ich erinnere mich an eine Reiterprüfung mit Fremdreitertest. Der Fremdreiter war begeistert von ihrer Feinheit und Durchlässigkeit. Allerdings gefiel das den Richtern nicht so gut:  „Ich könne doch nicht ohne Zügeleinsatz reiten!“ Klar wäre es eine tolle Leistung, aber sehen wolle man das eigentlich nicht. Heute kann ich mich darüber amüsieren, damals war das eine ganz ordentliche Backpfeife für mich. Damit hatte sich für mich die Tunierreiterrei schlagartig erledigt. Das hing mir noch lange nach. Wie gerne hätte ich den Leuten bewiesen, dass artgerecht gehaltene Pferde viel leistungsbereiter und kooperativer sind.

Mit der Zeit stelle sich raus, dass ich eine sehr ranghohe, dominate Stute besaß. So  kam ich auch um das Thema Horsemanship nicht herum. Bis heute ist es mir ein Rätsel warum die Kinder nicht erst einmal Bodenarbeitsstunden bekommen und dann erst reiten dürfen. Durch dieses neue Wissen eröffneten sich ganz neue Welten. Hier kam ich auch das erste Mal mit der Westernreiterei in Berührung. Im Reitstall hatte ich nur wenig davon gehört, sie wurden als absolute Taugenichtse abgestempelt.: “Wer nicht reiten kann reitet Western!” Fand ich nicht, aber so richtig abgewinnen konnte ich den Cowboys auch nichts. Ich blieb also der englischen Reiterei weitestgehend treu und versuchte alles richtig zu machen. Regelmäßig ließ ich meinen Sattel von einer bekannten, erfolgreichen und angeblich sehr guten Sattlerin kontrollieren. Ich investierte sogar mein hart verdientes Geld in eine Maßanfertigung. Trotzdem muss ich zugeben, dass ich immer Schwierigkeiten hatte den Trab meiner Fudsch auszusitzen. Bei vielen anderen Pferden fiel es mir deutlich leichter. Da muss ich wohl noch mehr üben dachte ich mir.

Als ich vor 12 Jahren mit meinem Mann zusammengezogen bin, beschlossen wir, meine Stute zu uns zu holen. Endlich konnte meine Stute in einen wirklich schönen Offenstall umziehen. Fudsch begleitete mich bei meinen  Schwangerschaften und sie war meinen Kindern eine unglaublich liebe und fürsorgliche Lehrmeisterin.

18jährig schenkte sie mir ihr erstes und einziges Fohlen: Findus. Es war eine Wonne den beiden zuzusehen. Meine Fudsch war als Mutter ganz in ihrem Element und blühte förmlich auf. Nach 10 Monaten zog Findus in eine große gemischte Herde um. Hier wurde er von den Alten erzogen und konnte mit gleichaltigen Artgenossen spielen. Meine Stute stand unterdessen bei uns zu Hause wo ich sie viel vom Boden aus arbeitete. Reiten konnte ich nicht, da mir während meiner dritten Schwangerschaft immer so schlecht im Sattel wurde. So entstand eine Reitpause von ca. 2 Jahren, die für mich gleichzeitig eine Zeit des Überdenkens war. Da mein englischer Sattel schon länger nicht mehr passt, stand ich ständig vor der Frage ihn zu verkaufen. Außerdem liebäugelte ich mit einem Westernsattel. Richtig entscheiden konnte ich mich aber nicht. Einerseits fand ich das “Englische” schick und faszinierend, andererseits bewunderte ich aber auch die Ruhe und Gelassenheit der Westernpferde. Ich lieh mir einen Westernsattel aus und fühlte mich auf Anhieb in diesem Sattel zu Hause. Das Ding war hundertmal bequemer als die englischen Sättel. Außerdem und das war das Wichtigste: Meine Stute fühlte sich viel wohler! Also entschied ich für mich für den Sattel. Wenn es mir nicht mehr gefiele, so dachte ich, kann ich das Ding ja wieder verkaufen. Außerdem kann ich ja auch in einem Westernsattel Englisch reiten wenn ich möchte. Dieses waren meine Argumente mit denen ich leben konnte und so verkaufte ich auch kurzerhand meinen englischen Sattel.

In der Zeit des Überdenkens surfte ich oft im Internet in der Hoffnung auf Denkanstöße. Immer wieder gelangte ich auf die Seite des Rangauhofs. Daher nahm ich mir ein Herz und rief Margit an. Ich möge doch Bilder des Pferdes schicken – von allen Seiten mit und ohne hochgekitzelten Rücken – und gesattelt. Die Antwort ließ auch nicht lange auf sich warten: Katastrophe! Der Rücken zeige deutlich was ich meinem Pferd die ganzen Jahre über angetan habe. Wie könne man bei einem stark überbauten Pferd die Sattellage nicht ausgleichen? Der Sattel hätte über Jahre bei jedem Schritt in die Schulter reingedrückt. Das arme Pferd. Ein Glück, dass sie durch die Schwangerschaften so viel Pause hatte. Und zum Glück sei ich nicht übergewichtig. Uff. Na Danke! Da sitzt man nun als liebender Pferdebesitzer vor dem PC und lässt sich quasi Ohrfeigen. Was fällt der denn ein, dachte ich mir. Immer habe ich meinen Sattel überprüfen lassen. Zeitweise zwei Mal im Jahr. Ja, früher habe ich die Sattler gefragt ob es sinnvoll wäre, die Überbauung auszugleichen. Die Antwort war immer “Nein, in gar keinem Fall, der Sattel muss so passen”. Wer soll es wissen, wenn nicht meine Sattlerin bzw. mein Sattler? Und so ganz nebenbei: Ich habe da wirklich viel Geld für bezahlt. Außerdem habe ich mir immer viel Mühe beim Reiten gegeben. Ohne Zügel und Vorwärts-Abwärts waren absolut selbstverständlich! Und nun muss ich mich so kritisieren lassen. Was für eine Frechheit! Margits Angebot, mir ein ausgleichendes Pad für den jetzigen Sattel zu schicken nahm ich jedoch an. Denn angeblich würde dieser Sattel auch nicht zu hundert Prozent passen. Mal sehen ob das Pad wirklich einen Unterschied macht, dachte ich mir im Stillen. An dem Tag als das Pad kam, ging ich mit meinem Pferd und einer Freundin auf den Reitplatz. Ich ritt wir gewohnt warm – ohne das neue Pad. Alles wie gewohnt. Nach 15 Minuten sattelte ich um. Ab jetzt blieb uns die Spucke weg. Abgesehen davon, dass unter mir jemand vor Freude über freie Schulterblätter fast ausflippte, konnte ich ENDLICH wieder sitzen. Ja, ich konnte ohne Mühe aussitzen. Ich saß plötzlich im Schwerpunkt, alles war ganz einfach. Jahrelang habe ich geübt wie eine Irre, weil ich dachte es läge an mir. Zweitens lagen meine Beine einfach. Einfach so. Dadurch, dass ich vorher nicht im Lot saß, war es mühevoll, meine Beine dort zu platzieren, wo sie hin mussten. Ja, ich habe das alles hinbekommen. Auf einmal war es einfach. Einfach und selbstverständlich ohne große Mühe. Es machte einfach nur Spaß. Und zwar allen. Meine Freundin fragte irgendwann völlig verdattert was hier eigentlich gerade passiere. Denn das, was sich uns gerade auftat war so toll, dass ich mir nicht sicher war, ob ich vor Trauer über das was ich meiner Stute anscheinend die letzten Jahre angetan hatte, heulen oder weil es jetzt der Hammer war, vor Freude schreien sollte. Den Kritikern, die jetzt den Mund aufmachen wollen, möchte ich nur noch kurz sagen: Es blieb so. Jedes Mal. Auch beim Ausreiten war plötzlich alles noch entspannter. Trotzdem schickte ich meine Fudsch kurze Zeit später wegen ihrer Arthrose in Rente.

Mittlerweile ist meine liebe alte Dame über die Regenbogenbrücke gegangen. Sie fehlt mir oft, aber vor allem bin ich ihr unendlich dankbar für das, was sie mich gelehrt hat. Ihr Sohn, der nun auch schon unter dem Sattel ist, profitiert sehr davon. Wir haben lange gebraucht, um ein Team zu werden. Das lag nicht an ihm, mehr an mir. Dabei ist er ein so schicker Kerl und er gibt sich auch immer viel Mühe es mir Recht zu machen. Ganz so wie seine Mutter.  Logischerweise hat auch Findus einen Westernsattel und natürlich auch ein richtig gutes Pad das Stöße und Reibung minimiert und mit dem ich alle Ungleichheiten ausgleichen kann.

Liebe Reiter, ich würde Euch gerne weitergeben dass es lohnt sich zu öffnen. Zu verstehen. Das tut man nämlich wenn man sich andere Sichtweisen anhört und vor allem ausprobiert. Heute ist mir völlig klar, dass Westernsättel viel gesünder für den Rücken sein müssen. Seht Euch doch nur mal die unterschiedlichen Auflageflächen an und fragt euch selbst, ob ihr die Last von 60 Kilo auf ein 5 Euro großes Stück oder auf einen Teller großen Bereich verteilt tragen wollt.  Und ja: Überbaute Oberlinien müssen ausgeglichen werden. Wir verlangen unseren Pferden so viel ab, es ist daher unsere Pflicht auch mal in andere Richtungen offen zu sein. Nein sagen kann man immer noch. Es könnte allerdings auch etwas Gutes dran sein.