Weshalb? Ziehen Sie doch einmal Ihr Kinn auf die Brust und dann versuchen Sie zu hüpfen oder zu rennen oder Sie verrichten ganz einfach Ihre Hausarbeit. Zumindest versuchen Sie es. Sie werden schnell feststellen, dass Sie nicht mehr in der Lage sind, Ihre Bewegungsabläufe zu koordinieren. Bei Pferden ist das nicht anders!

Bewegung entsteht durch das Zusammenspiel aller Körperteile in dynamischer Abfolge. Wird ein Teil eines zusammenhängenden Körpers blockiert, ist die Balance des ganzen Körpers gestört. Eiskunstläufer und Turner bewegen sich nach einer einstudierten Choreographie, wobei die Armbewegungen genau auf die Beinbewegungen abgestimmt sind, um den gesamten Körper in der gewünschten Balance zu halten, andernfalls leiden Athletik, Schwung und Fluss des Bewegungsablaufs.

Pferde haben deutlich mehr Körpergefühl als wir Menschen und benötigen unsere reiterlichen Hilfen überhaupt nicht. Wir Reiter sollten lernen, unsere Pferde nicht zu stören. Wir sollten lernen, ein guter Sozius zu sein, um den Bewegungsablauf unserer Reittiere möglichst wenig zu behindern. Wir fordern von unseren Lastenträgern trotz schwerem, klopfenden, mit den Zügeln fuchtelnden Plumpsack auf dem Rücken, wie eine schwerelose Ballerina zu schweben!

Reiterliche Hilfen sind erst dann Hilfen, wenn der Mensch, weiß was er tut. Der gewöhnliche blinde Aktionismus stört die Pferde nur. Alle Reitanfänger/innen sollten mit der Grundlage guten Reitens beginnen und lernen, wie man ein guter Sozius wird. Dazu gehören ruhiges passives Sitzen, Einfühlen sowie die Grundlagen artgerechter Biodynamik und Sattelung. Wer die Grundlagen nicht beherrscht, wird niemals gut reiten lernen.

Wessen Pferd kann sich mit solch stolzer Aufrichtung und Versammlung bewegen, trotz falsch angepasstem Sattel und reiterlichen Zügelhilfen?

 

Untertreten, natürliche Versammlung und Aufrichtung entstehen nur bei korrekter Sattelung und Reiten mit freiem Genick. Festhalten im Zügel behindert schwungvolle Bewegungen. Die Trainerin und Sattelhändlerin Christine Czurda reitet ganz besonders fein. Das lernt man besonders gut auf Arabischen Pferden!

 

Zum „Feinen Reiten“ fällt mir ein Zitat ein: Egon von Neindorff: „Wenn dein Pferd einen Fehler macht, suche die Ursache bei dir – findest du sie nicht, suche gründlicher“ 

Das trifft es ganz gut und ich kann da auch nur von mir ausgehen. Wenn ich im Sattel sitze, versuche ich zu erfühlen, wie ich meinem Pferd noch besser helfen kann, die notwendige Körperspannung zu halten.

Das bedeutet für mich, bei jedem Ritt und bei jedem Pferd dazu zu lernen, um mein Gespür darauf zu konditionieren, im richtigen Moment den richtigen Impuls zu geben, ohne mich selbst oder das Pferd aus der Balance zu bringen. Dieses Impuls-Timing sowie dessen Intensität erfordern Reaktionen, über die man mangels Zeit nicht nachdenken kann. Dazu ist ein Automatismus wie beim Autofahren nötig.

Alles will gelernt sein!

Körperbeherrschung und mentale Stärke der Reiter sind gefragt!

 Anfangs sollte man lernen, ein nicht allzu sehr störender Sozius zu werden und seinen eigenen Körper zu beherrschen,  bevor es möglich wird, dem Pferd klare, verständliche, feine Impulse zu geben. Aus der Sicherheit zu wissen, was man auf dem Pferd eigentlich tut, erwächst die zum Führen eines Pferdes nötige mentale Stärke. Pferde spüren unsere Angst und unser Zögern ebenso wie unser Selbstvertrauen und reagieren entsprechend – sie halten uns den Spiegel vor.

Abschließend möchte ich betonen, dass Versammlung, Aufrichtung und Schwung unseren Pferden viel Kraft abverlangen. Pferde müssen erst üben, die für gesundes, gutes Reiten unabdingbare Körperspannung aufzubauen und zu halten. Lesen Sie im Buch auf der Rangauhof HP die entsprechenden Kapitel über Bogenspannung und Versammlung (Der grüne Bogen, Der rote Bogen).